Wirtschaftsarchäologische Forschungen

Wirtschaftsraum Plaghiá-Halbinsel – Mirkoökonomische Analyse zur raumzeitlichen Kontextualisierung von Wirtschaft

gemeinsame Projektleitung: Prof. Dr. Franziska Lang und PD Dr. Kai Ruffing Alte Geschichte, Universität Marburg) (Antragsphase)

In diesem Projekt soll anhand einer archäologisch-historischen Analyse am Fallbeispiel der Plaghia-Halbinsel die regionale Performanz von Wirtschaft in ihrem raumzeitlichen Kontext untersucht werden. Diese grundlegende Untersuchung zu mikroökonomischen Wirkmechanismen basiert auf der Beschreibung des komplexen Zusammenspiels politischer, ökonomischer, kultureller und naturräumlicher Komponenten innerhalb einer Region, der Plaghia-Halbinsel. Den zeitlichen Ausgangspunkt bilden zwei historische Ereignisse: der Sieg Oktavians 31. v. Chr. bei Actium und der Eroberung des byzantinischen Reiches durch die Osmanen 1492. Damit sind unmittelbar Systemwechsel (politisch, administrativ, ökonomisch, sozial, kulturell etc.) zu verbinden: von dezentralen, autonomen zu größeren staatlichen (Macht)Einheiten. Unter diesen Vorgaben konstituierten sich neue, hierarchisch gegliederte, ‚global‘-wirkende Wirtschaftsräume. Inwieweit diese systemischen Veränderungen die Mikroökonomie einer Region beeinflusste, ist Gegenstand unseres Projektes. Vergangene Wirtschaftssysteme lassen sich über die materiellen und geistigen Hinterlassenschaften rekonstruieren. Da sich Art, Gestaltung und Herstellung von Artefakten an die jeweiligen Vorstellungen, Ansprüche und Bedürfnisse einer Gesellschaft binden, sind sie ort-, zeit- und kulturspezifisch verankert und damit sind regionalspezifische Formen wirtschaftlicher Praxis zu erwarten. In diesen komplexen Gefügen sind viele Akteure involviert, die miteinander in Wechselwirkung stehen und für Kontinuität oder Wandel sorgen: Die Landschaft als Naturraum (Standortfaktoren, Rohstoffe, Ressourcen, Verkehrswege), die Produzenten (technisches Wissen, Materialkenntnis), die Distributoren und Händler (als Agenten des Warenaustauschs und Vermittlern zwischen Orten), die Administration (zur Schaffung und Organisation der Infrastruktur), die Konsumenten (als Rezipienten und Abnehmer von Waren). Die Entschlüsselung der Interdependenzen und deren Wirkungsmechanismen ist das Ziel unserer mikroökonomischen Analyse.