Römisches Glass

Messung und Simulation der Streuung von Tageslicht an römischen Fenstergläsern


Prof. Dr. phil. Franziska Lang und Dipl.-Ing. Andreas Noback

In dieser interdisziplinären Pilotstudie wird erstmals die Streuung von Licht an römischen Fenstergläsern untersucht und für die Tageslichtsimulation eines Innenraumes modelliert. Es werden die Zusammenhänge zwischen der Herstellung römischer Fenstergläser, ihren optischen Eigenschaften und den architektonischen Praktiken der Beleuchtung römischer Innenräume untersucht.

Die Untersuchung schafft methodische Grundlagen zur Tageslichtsimulation, mittels derer die Lichtverteilung in den Innenräumen analysiert und die Wahrnehmung dieser Innenräume durch die historischen Nutzerinnen und Nutzer rekonstruiert werden kann. Aufgrund seiner Herstellung lassen sich gegossenes und geblasenes Fensterglas als Grundtypen römischer Fenstergläser unterscheiden, die eine unterschiedliche Streuwirkung aufweisen. Die Streueigenschaften von Gläsern wirken sich auch auf die weiteren gestalterischen Elemente des Innenraums aus und sind deshalb ein wichtiger Bestandteil des architektonischen Entwurfs. Beispielsweise kommt die farbliche Gestaltung mit kostbaren Marmorsorten in kaiserlichen Palastaulen oder spätantiken Kirchenbauten durch eine weiche Ausleuchtung ganz besonders zur Geltung. Auch die in der Morgensonne ausgeleuchteten Scheiben der Apsisfenster frühchristlicher Kirchen bieten eine effektvolle Inszenierung des rituellen Geschehens.

Die architektonische Bedeutung der Streueigenschaften wurde wohl schon in der römischen Antike wahrgenommen. Welchen Einfluss die optischen Eigenschaften des Glases auf die Entwicklung der römischen Architektur genommen hatten, wurde bislang nicht systematisch untersucht; hierdurch lassen sich aber Hinweise auf die kognitive Vorstellung der Vergangenheit gewinnen.

Da kein römischer Innenraum mit Verglasung erhalten ist, ist der wichtigste Bestandteil in diesem Projekt, die Streueigenschaften römischer Fenstergläser durch computergestützte Modelle zu simulieren. Die Messung und Modellierung optischer Eigenschaften ist die empirische Grundlage derartiger Untersuchungen. Hierfür werden römische Fenstergläser aus verschiedenen archäologischen Kontexten ausgewählt und goniophotometrisch vermessen.

Die in dem Projekt eingesetzten Verfahren sind in der lichttechnischen Untersuchung moderner Verglasungen etabliert, aber bisher noch nie für die Untersuchung historischer Gläser angewandt worden. Die Pilotstudie hat zum Ziel, die Übertragbarkeit dieser Verfahren nachzuweisen und die Relevanz des spezifischen Streuverhaltens römischer Fenstergläser für die Beleuchtung römischer Innenräume zu demonstrieren.


Kooperationspartner:

Dipl-Ing Lars Grobe, Hochschule Luzern (Messung und Tageslichtsimulation)
Dr. S. Greiff, Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz
Dr. J. Komp, Landesschaftsverband Rheinland – Landesmuseums Bonn