Netzwerk Phönizier

DFG-Netzwerk: Von Kanaan nach Gibraltar und zurück – die Phönizier im Mittelmeerraum


Ziele des DFG-geförderten wissenschaftlichen Netzwerks sind Austausch und Kooperation unter ausgewiesenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowohl aus Deutschland als auch aus anderen Ländern sowie die organisatorische und inhaltliche Koordination aktueller Beiträge und Projekte zur Erforschung der phönizischen Präsenz im Mittelmeerraum vom phönizischen Kernland in der Levante bis zu den westlichsten Niederlassungen in Marokko und Südspanien. Zentrale Forschungsaspekte, die innerhalb des wissenschaftlichen Netzwerks diskutiert werden, sind insbesondere Architektur und Urbanistik, Ressourcennutzung, Kulte und Riten, aber auch Materialstudien zu einzelnen Objektgattungen wie etwa Keramik. Betrachtet werden dabei die Kontakte der Phönizier mit anderen Kulturen, dem Austausch von Ideen und Objekten, und damit den verschiedenen Kulturationsprozessen, die dahinter stehen.


Sprecherin:
Dr. Marion Bolder-Boos

Koordinatorin:
Dr. Natascha Bagherpour Kashani


DFG-Netzwerk Phönizier: Arbeitstreffen in Bochum, 27.-28.11.2015
DFG-Netzwerk Phönizier: Arbeitstreffen in Bochum, 27.-28.11.2015

Mitglieder des Netzwerks

Dr. Natascha Bagherpour Kashani
Dr. Chiara Blasetti Fantauzzi
Dr. Marion Bolder-Boos
Dr. Salvatore De Vincenzo
Prof. Dr. Roald Docter
Dr. Iván Fumadó Ortega
Dr. Sophie Helas
Carlos Martín Hernández, B.A., M.Sc.
Dr. Valentina Melchiorri
Henrike Michelau, M.A.
Prof. Dr. Bärbel Morstadt
Dr. Adriano Orsingher
Dr. Aaron Schmitt
Frerich Schön, M.A.
Hanni Töpfer, M.A.

Assoziierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Dr. Maxine Anastasi
Dr. Josephine Crawley Quinn
Prof. Dr. Jens Kamlah
Prof. Dr. Dirce Marzoli
Prof. Dr. Herbert Niehr
Dr. Eleftheria Pappa
Prof. Dr. Michael Sommer
Prof. Dr. Paolo Xella

Förderer

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Sparkasse Darmstadt

Projekte des Netzwerkmitglieder

Natascha Bagherpour Kashani

Die Phönizier von Mesopotamien bis Elam

Die phönizischen Stadtkönigtümer und ihre Häfen waren letzte Station der Handelswege aus dem Osten, um von dort die Waren weiter nach Westen zu verschiffen, gleichzeitig drängten die Großreiche wie die der Assyrer, Ägypter und Hethiter militärisch und politisch an die Levanteküste. Dadurch entstanden wechselseitige Kontakte, die vor allem durch materielle Hinterlassenschaften bezeugt sind. Ein Beispiel ist der Einfluss der achämenidischen Kunst auf phönizische Siegel Umgekehrt wurden phönizische Silberschalen im heutigen Iran/Lurestan gefunden und phönizische Räuchergefäße offenbar von den Achämeniden adaptiert. Es gibt weitere Indizien die bezeugen, dass Phönizier in verschiedenen Perioden regen Kontakt mit den östlichen altorientalischen Reichen hatten und das nicht nur als Tributgeber oder in Mesopotamien sogar angesiedelt waren. Die Hinweise aus Schrift, Bildkunst und Objektbetrachtung, sind jedoch noch sehr punktuell und wurden bisher nicht in einen Zusammenhang gebracht.

Desiderat

Insgesamt fehlt ein Gesamtüberblick phönizischer Präsenz in Vorderasien vor allem auch eine übergreifende Betrachtung, die die Einzelphänomene miteinander verbindet. Die Gründe dieses Desiderats sind verschiedenartig:

• Die Phönizierforschung hat sich vor allem auf die Expansion im Mittelmeerraum konzentriert, was forschungsgeschichtliche Gründe hat und auch aus einer von Kolonialismus geprägten westlichen Gesellschaft resultiert.

• Die Identifizierung sogenannter phönizischer Hinterlassenschaften oftmals schwierig, wenn nicht gar unmöglich.

• Die Quellenlage schriftlicher Zeugnisse ist sowohl das Phönizische betreffend als auch in Bezug auf die Keilschrifttexte äußerst dürftig.

• Die Phönizische Expansion im Mittelmeerraum ist ohne Zweifel weit prägender und in der Erforschung ergiebiger als es wahrscheinlich der Einfluss der Phönizier auf Mesopotamien war.

Fragestellung und Zeitraum

Basierend auf einer antiquarischen Analyse und m. E. Hinweisen aus den wenigen schriftlichen Belegen soll untersucht werden wie stark die sogenannte phönizische Präsenz in Mesopotamien bis Elam ausgeprägt war. Aufbauend darauf kann etwa der Frage nachgegangen werden auf welcher Basis die gegenseitigen Kontakte je nach politischer und zeitlicher Lage überhaupt stattfanden – etwa vornehmlich als untergebene Tributgeber oder als wichtige Partner?

Diese Studie steht noch ganz am Anfang und kann sich derzeit nur auf eine sehr dünne Forschungslage stützen. Der Untersuchungszeitraum wird deshalb zunächst sehr breit angesetzt und beginnt ab 1200 v. Chr. Um diese Zeit, mit dem Ende des hethitischen Reiches und dem Beginn der neuelamischen Epoche entsteht eine neue Freiheit für die Städte an der Levante. Sie waren der Hegemonialmächte Ägypten, Hattuscha und den Reichen in Mesopotamien entledigt und frei vom Druck der Abgaben. In diese Phase wird tendenziell der Beginn der so genannten 'phönizischen Ära' angesetzt. Die zeitliche Eingrenzung wie auch die Untersuchung der Objektgattungen wird also im Beginn der Forschungsarbeit sozusagen nur mit einem terminus post quem beschränkt, um der Betrachtung der phönizischen Präsenz in Mesopotamien und Elam Freiräume in verschiedene Richtungen zuzulassen. Eine Fokussierung und Eingrenzung des Themas wird dabei angestrebt.

Chiara Blasetti Fantauzzi

Die Eisenherstellung auf Sardinien zwischen Indigenen und Phöniziern und ihre sozioökonomischen Implikationen

Seit 2009 werden in der Stadt Cornus, in der heutigen Gemeinde von Cuglieri in der Provinz Oristano, gelegen an der Westküste Sardiniens, archäologische Untersuchungen durchgeführt. Cornus ist aus den historischen Quellen als Ort der Revolte der Sarden und Karthager gegen Rom, die 215 v. Chr. stattfand, bekannt. Neben der Grabung auf dem Hügel von Corchinas, auf dem das urbane Zentrum von Cornus lag, wurde 2013 nahe der Stadt ein Surveyprojekt im Gebiet des Montiferru begonnen. Das Gebiet ist durch das Vorhandensein von Eisenadern und durch die kontinuierliche Frequentation von der indigenen über die phönizische bis in die römische Zeit bedeutend. Jüngere Untersuchungen in den Werkstätten des Handwerkerviertels der römischen und punischen Siedlung Tharros bezüglich der Herkunft des Eisens haben gezeigt, dass Eisen vom Montiferru auch in diesem wichtigen Zentrum Sardiniens zirkulierte. Die Fragestellung des Projektes ist der Abbau und die Verarbeitung von Eisen in diesem Gebiet. Es soll nicht nur die technische Entwicklung der Eisenherstellung, sondern vor allem ihre sozioökonomische Bedeutung vor und nach der Ankunft der Phönizier rekonstruiert werden. Hierzu soll zunächst die wirtschaftliche Dynamik der Eisenproduktion analysiert werden und die Verwaltung des Rohstoffes im Rahmen weitgespannter Austauschprozesse mit den Niederlassungen der Insel beleuchtet werden. Weiterhin sollen Auswirkungen der Nutzung von Eisen auf die Siedlungsstrukturen gezeigt und überprüft werden, in welchem Ausmaß die Eisenvorkommen ein Faktor der Annäherung zwischen indigenen und fremden Bevölkerungsgruppen, besonders den Phöniziern, darstellten. Es wird zu fragen sein, ob die Siedlungen sich an möglichen Abbaugebieten und günstigen Produktionsorten ausrichteten und ob diese Standortfaktoren eine Siedlungshierarchie entstehen ließen. Diese Studie umfasst neben dem Surveygebiet bereits erforschte indigene und phönizische Zentren ländlicher oder urbaner Natur auf der Insel, in denen Handwerkerviertel oder Spuren von Eisenverarbeitung entdeckt wurden. Dadurch sollen Siedlungsdynamiken in Abhängigkeit von Rohstoffabbau verglichen werden. Somit wird zu einer Erhellung der Art und Weise sowie der Wirkung der Kolonisation auf Sardinien beigetragen.

Marion Bolder-Boos

Im Westen viel Neues? – Untersuchungen zu Kulturationsprozessen und Kulturtransfer am Beispiel phönizischer Niederlassungen im zentralen und westlichen Mittelmeerraum

Das Forschungsprojekt beschäftigt sich mit der phönizischen Westexpansion in der Zeit zwischen dem 10. und 6. Jh. v. Chr., einem Phänomen, das bisweilen auch als „phönizische Kolonisation“ – in Anlehnung an die etwa gleichzeitige griechische Kolonisation – beschrieben wird.

Diesem liegt die Feststellung zugrunde, dass phönizischen Niederlassungen trotz ursprünglich ähnlicher Grundstruktur im Laufe der Zeit durch politisch-soziale Veränderungen, Umwelteinflüsse und Maßnahmen der Stadtbewohner ihre jeweils eigene Gestalt annahmen. Um die spezifische Ausprägung der phönizischen Städte aufzudecken und zu erklären, wird einerseits die Architektur als materiale Präsenz im Raum und andererseits die menschliche Praxis in der Stadt, die an der Produktion von Architektur beteiligt war und zugleich mit ihr in sehr unterschiedlicher Weise im Laufe der Zeit umging, untersucht. Das Projekt beschäftigt sich dabei im Wesentlichen mit zwei Kernfragen:

1.) Wie waren die phönizischen Niederlassungen aufgebaut? Lassen sich Parallelen und Unterschiede in der architektonisch-urbanistischen Ausprägung dieser Siedlungen untereinander feststellen und wenn ja, erlauben sie Rückschlüsse auf die Funktion und Bedeutung dieser Siedlungen?

2.) Wie einflussreich waren Faktoren wie kultureller Austausch mit indigener Bevölkerung, Migration, Umweltbedingungen, Zugang zu bzw. Umgang mit Ressourcen, soziale Differenzierung und Mobilität oder Konkurrenzdenken für die unterschiedliche Ausprägung dieser Siedlungen, wie schlugen sich deren Auswirkungen in den Siedlungen nieder und warum wirkten manche Faktoren in einigen Fällen stärker als in anderen?

Für die Untersuchung der kulturellen Kontakte zwischen Phöniziern und Einheimischen scheint das Konzept der Kulturation adäquat zu sein. Kulturation beschreibt den Prozess, der geschieht, wenn kultureller Austausch stattfindet und dabei kulturelles Wissen wechselseitig übermitteln wird. Der Vorteil des Begriffs Kulturation gegenüber Modellen wie Akkulturation ist, dass er den Prozess wertneutral und unabhängig von sozialen oder politischen Machtverhältnissen beschreibt und dabei sowohl Wandel als auch Persistenz umfasst.

In Zusammenhang mit der Untersuchung der phönizischen Niederlassungen ist zu prüfen, inwieweit häufig verwendete Bezeichnungen wie „Handelsniederlassung“ oder „Faktorei“ zutreffend sind. Dabei soll nicht a priori ausgeschlossen werden, dass Handel eine Rolle bei der Wahl eines Siedlungsplatzes gespielt oder einen wichtigen ökonomischen Faktor im Leben einer phönizischen Siedlung dargestellt hat, doch wird der merkantile Aspekt der phönizischen Westexpansion, wie in neueren Untersuchungen bereits kritisiert, häufig überrepräsentiert. Auch ist die Deutung Karthagos als „großer Ausnahme“ unter den phönizischen Niederlassungen zu überprüfen. Untersuchungen zur Geschichte des zyprischen Kition etwa haben bereits gezeigt, dass auch diese Siedlung zu einem nicht näher bestimmbaren Zeitpunkt zwischen dem 8. und frühen 5. Jh. v. Chr. als eigenständiges Stadtkönigtum eine Machtstellung auszubauen suchte und dabei auf regionaler Ebene recht erfolgreich war, bis die Ptolemäer diesem ein Ende setzten. Insofern ist für jede einzelne Niederlassung zu prüfen, ob Anzeichen für Eigenständigkeit oder sogar Expansionsbestrebungen vorhanden sind.

Salvatore De Vincenzo

Between Carthage and Rome. The Carthaginian controlled territories in Roman Times.

For a long time there has been some sort of interpretative fundamentalism inclined to point out a Punic character based on manifestations of cults, architectural complexes or urbanistic structures in an apodictic way, and the scope of interventions in Roman times is ignored. Therefore, a real reconstruction of these contexts in the Punic age can in no way be attempted without an initial analysis of the Roman phases and aspects connected with the process of Romanization in Carthaginian controlled territories.

A lot of examples and case studies could be mentioned here. Of all the issues, certainly one of the most important is related to the urbanistic development of settlements. The archaeological evidence seems to suggest a radical reorganization of the urban structures of these cities and a contemporary monumentalization of their public areas in the late period of the Roman Republic. Some of the centers within the Punic territories, such as in West Sicily and Sardinia, were considered to follow a Punic matrix, based solely on a calculation of measurement units that belonged to their urbanistic system. Similarly, it has been argued that many of these cities show a regular urban planning with plateiai and stenopoi intersecting each other orthogonally, which is thought to be implemented already in Punic times. Once these sites are examined more carefully, another image emerges.

On a methodological level, studies on the Carthaginian territories and the analysis of the problems related to the Punic phase, as well as to the successive Roman phase, are generally carried out on two parallel tracks, one of which represents »Punic Archaeology«, while the other »Classic Archaeology«, with rare moments of an attempted entanglement. Every one of these fields of study has consequently given birth to an autonomous point of view regarding the development of the settlements in Carthaginian controlled territories, distinguishing as required their Punic, Greek or Roman character in accordance with the respective field. This tendency has of course been reinforced by often occurring cases of missing solid stratigraphic data. But only the convergence of these fields of study, i. e. ‘Punic Archaeology’ and ‘Classical Archaeology’, can generate a real and rigorous stratigraphic approach for the analysis of this territory, as well as for other Punic contexts, thereby assuring the clearest and most adequate overview possible.

References

A. Cadotte, La Romanisation des Dieux. L’interpretatio romana en Afrique du Nord sous le Haut-Empire (Leiden-Boston 2007).

S. De Vincenzo, Tra Cartagine e Roma. I centri urbani dell’eparchia punica di Sicilia tra VI e I sec. a.C., Topoi. Berlin Studies of the Ancient World 8 (Berlino 2013).

M.P. Fronda, Between Rome and Carthage. Southern Italy during the Second Punic War (Cambridge 2010).

Alicia Jiménez, Introduction: Colonising a Colonised Territory. Settlements with Punic Roots in Roman Times, Bollettino di Archeologia on line 1, 2010, Volume speciale A / A7 / 1.

B. Tang, Delos, Carthage, Ampurias. The Housing of Three Mediterranean Trading Centres (Rome 2005).

P. van Dommelen. On colonial grounds. A comparative study of colonialism and rural settlement in first millennium BC west central Sardinia (Leiden 1998).

Roald Docter

Early Punic Assemblages from Carthage

The archaeology of Carthage has a long tradition that can be traced back to the early 19th century with antiquarians as Humbert, Falbe and Borgia. Their interest mainly concerned questions of topography, the exact position of the Punic city, and its major extent monuments. Still, Humbert showed some interest in more modest categories of material culture, like pottery, acquiring a fairly large collection from Carthage and its surrounding territories for the National Museum of Antiquities in Leiden, the Netherlands. Only a small part of this decontextualized collection belongs to the Punic period, which interests us here.

The later part of the 19th century and the first half of the 20th saw the energetic activities of the White Fathers, first and foremost Père Delattre, and of the representatives of the French colonial Antiquities department, as Gauckler and Cintas. Their interest chiefly concerned the necropoleis. Only a handful of the thousands of graves they excavated were published in a decent manner. The grave assemblages that seem to have been kept together – at least partially –till well into the seventies of the last century, have unfortunately since then been dissolved and stored by category in the Museum storerooms of Carthage and Tunis. The same fate has fallen upon the thousands of assemblages from the Tophet, excavated by Icard, Gielly, Kelsey, Lapeyre, Cintas and others since 1922. Only the Tophet excavations of Stager between 1976 and 1979 have paid attention to full assemblages, but the publication in the hands of Stager, Greene and Garnand is still pending. Leaving aside the many other teams that have mainly focussed upon the Roman, Vandal and Byzantine periods, it are the excavations by the French (Lancel, Morel, Thuillier) on the Byrsa Hill that have provided us with fully published assemblages of the Punic period. The same can be said of the German excavations led by Rakob in the Magon Quarter, Rue Septime Sévère, and the Rue Ibn Chabâat. We owe a good number of well-published Punic contexts to Vegas; Rakob himself was mainly interested in the topography and architecture. The other German team, directed by Hans Georg Niemeyer, equally excavated a portion of the Punic city stratigraphically and context-wise, but in its publication the finds were divided into different categories.

In 2007, frustrated with this lack of interest for archaeological contexts and assemblages, I drew up an inventory of 310 Punic settlement contexts that had been partially published; virtually none of these had been published in its entirety. It was the same frustration that had spurred me to start new excavations on the Bir Messaouda site in 2000 and 2001, between 2002 and 2005 in collaboration with Chelbi and Maraoui Telmini. The publication of the stratigraphical sequences, on which we currently work, takes lead from the full assemblages, the earliest ones of which are supported by radiocarbon dates that date from the late 9th century BCE on.

Iván Fumadó Ortega

Cults and culture of water in the Phoenician and Punic Mediterranean

Water is a basic, fundamental element for life. As such, it had a central place in the organization of survival and cohabitation of every ancient society, as in their mythologies and religious practices as well. The Mediterranean Sea, with its climatic and hydrological particularities, makes of this primal resource a very scarce and appreciated well, even today. That has lead Mediterranean societies to develop diverse, elaborated adaptations to periodical droughts, flash floods and changing coastal lines.

In my project I will explore the adaptations implemented by Phoenician-Punic societies during the First Millennium BC from a material and symbolic perspective with a geographical focus in the North of Tunis.

I will study the geographical and chronological distribution of the material culture related with hydraulic techniques and water management strategies archaeologically recorded in Phoenician-Punic sites, that is, from the drink water collection and storage systems to the drainage of rain water and sewer systems.

I am also interested in the perception and symbolic use of water. Therefore, I will analyse the role played by water in the mythologies and cult practices devoted to the principal Phoenician-Punic divinities, such as Melqart, Astarte, Baal Hammon, Tanit, Kusor, etc. Especial attention will by placed in their possible geographical and/or chronological developments with the aim of find connexions, or lack of them, between the religious and the domestic, military or industrial uses of water.

This research is part of the Hydrωmed Project, an international research network on water management in the Mediterranean during the First Millennium BC, directed by Prof. Dr. Sophie Bouffier from the Centre Camille Jullian at the Maison Méditerranée des Sciences de l'Homme in Aix-en-Provence, funded by the A*Midex Fundation. As coordinator of the Hydrωmed Project I will carry on my own research as well as manage the scientific inputs from the other engaged institutions (Albanian Institute of Archaeology, American School of Classical Studies at Athens, Centre de Recherche et d'Enseignement de Géosciences de l'Environnement, École française d'Athènes, Institut de Recherches sur l'Architecture Antique, Johannes Gutenberg Universität Mainz, University College London, Università degli Studi di Palermo, Vanderbilt University and others). The Hydrωmed Project will try to go beyond the traditional ethnic-cultural academic divisions, more based in historiographical categorizations of the Antiquity than in historical facts. The main aim of the project is, then, to create a scientific forum to research, compare and discuss about water management in Antiquity from a global, transcultural perspective.

Sophie Helas

Die Präsenz der Phönizier in Mittelitalien. Untersuchungen zu den materiellen Überresten östlicher Herkunft im zentralen Mittelmeerraum und Überlegungen zu deren Quellenwert

In der Frühzeit der phönizischen Kolonisation des westlichen Mittelmeerraumes begegnen uns in Mittelitalien vielfach Kunstgegenstände nahöstlicher Prägung, die in der Regel als Handelsgut der Phönizier gedeutet werden. Die oftmals wertvollen Gegenstände (Silberschalen, Straußeneier, Schmuck etc.) dienten den lokalen Eliten als Prestigegüter. Sie sind vor allem in den sog. Fürstengräbern der orientalisierenden Epoche aufgefunden und geborgen worden. Diese Importe und die damit verbundenen Gebräuche übten sicherlich einen starken Einfluss auf die Bevölkerungen Mittelitaliens aus.

Von einer anderen Kulturationsebene ist bei Funden, die aus Heiligtümern Mittelitaliens stammen, auszugehen. Der Prestigewert der Funde aus religiösen Kontexten ist auch hier nicht in Abrede zu stellen, doch sind sie vermutlich zugleich auch Ausdruck eines religiösen Verhaltens. Wir gehen davon aus, dass es ein religiöses Bedürfnis gab, dass die phönizischen Seefahrer, Handwerker und Kolonisten gemäß ihrer Traditionen befriedigen wollten. Gerade bei solch gefährlichen Unternehmungen wie es die Schiffsfahrten in der Antike darstellten, wird um einen göttlichen Beistand gebeten worden sein. Auch die am äußersten Rand des phönizischen Einflussgebietes aufgefundene Kultstätte auf Mogador an der afrikanischen Atlantikküste spricht dafür, dass traditionelle Kulte auch in der fernen Fremde ausgeübt worden sind.

In diesem Forschungsvorhaben soll der Schwerpunkt auf dem zweiten hier genannten Aspekt gelegt werden. Können wir das religiöse Handeln der Phönizier bzw. von Personen ostmediterraner Herkunft in Mittelitalien erschließen, das sich sowohl in charakteristischen Funden als auch in spezifischen Installationen und sakrale Architektur in den Heiligtümern niederschlagen sollte? Dazu möchte ich mich auf eigene Überlegungen zu phönizisch-punischen Heiligtümern und neue Ausgrabungsergebnisse (insbesondere auf Mozia) stützen, die einen neuen Blick auf die kultischen Einrichtungen in Etrurien und Mittelitalien erlauben.

Abschließend – und vor dem Hintergrund der Ergebnisse der anderen Forschungsprojekte des Netzwerkes – ist die Präsenz der Phönizier in Mittelitalien neu zu bewerten. Damit möchte das Forschungsvorhaben einen Beitrag zu zwei Kernfragen der Phönizierforschung leisten: wer waren die kulturellen Träger der phönizischen Expansion im westlichen Mittelmeergebiet? Wie interagierten sie mit der lokalen Bevölkerung?

Carlos Martín Hernández

The Phoenician commercial emporium in Huelva and their economic catchment areas

Using the GIS micro-scale analysis of the port area of Huelva, the role of this city for the Phoenicians as a production center and a place of exchange of raw materials between the 10th – 7th centuries BC will be explored. At the core of this study are the reconstruction of the paleotopography and paleocoastline at the different settlement areas and the spatial reconstruction of various economic activities through geo-referenced metallurgical production sites, agricultural land, and saline resources located in the immediate vicinity of the settlement. The primary aim is to analyze the organizational patterns of the Phoenician metals trade in Huelva during this important transition period between the Late Bronze Age and the opening of the region to the Mediterranean. The Phoenician trading strategy was based on the establishment of seasonal settlements in locations accessible by sea, and over time they developed into permanent settlements. There are archaeological indicators that would reveal the existence of these two phases. On the one hand, the proof of trade in metals in the initial phase can be demonstrated, in reference to the idea conveyed by the biblical sources (1 K 10, 22), by the finding of a complete set of weights based on the shekel 9.4 g, a unit corresponding with the Egyptian qdt, that was found in the stratum with the oldest Phoenician materials in Huelva (González de Canales et al. 2004, 154-155); and secondly, the appearance of building structures lifted by Phoenician construction techniques (pier-and-rubble), that indicates an advanced stage of these contacts (Blázquez et al. 1981, 179-195 and Plate III-XII). All of these issues are related to the development of commercial contacts of the Phoenicians, and the analysis of the catchment of immediate resources and the silver production in the port area of Huelva can help us to understand this process.

References

Blázquez et al. 1981: J. M. Blázquez Martínez – J. C. Martín De La Cruz – D. Ruiz Mata, Excavaciones en el Cabezo de San Pedro (Huelva). Campaña de 1978, HuelvaA 5, 1981, 149–316

González de Canales u. a. 2004: F. González de Canales – L. Serrano Pichardo – J. Llompart Gómez, El emporio fenicio precolonial de Huelva (ca. 900–770 a. C.) (Madrid 2004)

Valentina Melchiorri

Phoenician and Punic Cult-Places in the Ancient Mediterranean

My research is centred on the archaeological study of some aspects of the ancient western Mediterranean in the 1st millennium BC., paying specific attention to the so called Phoenician diaspora world. As is well known, Phoenician civilisation played a central role in the whole ancient Mediterranean history, from pre-classical times to the Christian era, and I aim to explore and reconstruct characteristics and dynamics of the Phoenician and Punic presence in the West. It deals with an attempt to individuate possible relationships to the eastern Motherland (in terms of cultural continuity or not, according to persistence and/or transformation as deduced from the archaeological record) and specific developments in the different “colonial” macro-areas. In continuity with my previous works devoted to the Archaeology of Cult (funerary contexts in Sardinia and Iberian Peninsula, sanctuaries in North Africa, Sardinia, and Sicily, and, generally speaking, performing behaviours in various rites and cults), currently I am focusing on the specific cult-places known as “tophets”, spread throughout the Central Mediterranean from 8th cent. BC to 2nd cent. AD. The project “Phoenician and Punic Cult-Places in the Ancient Mediterranean” aims at reconstructing the morphology, organization and function of such sanctuaries and of the rites performed in them, holding in due consideration chronology, geographical distribution and, in particular, the new – and different – socio-cultural contexts in which they started and developed (particularly, with regard to the Sardinian documentation and the unpublished materials from the Sulci tophet). A central point in the analysis and discussion of this topic is represented by the broad and delicate issue of “ethnic identity”, since tophets have been considered as special markers of the “Phoenician cultural identity” in the West. Nevertheless, the renewed interest in concepts like “cultural identity”, “identification” and “ethnicity” currently imposes higher critical limitations about their applicability to the interpretation of archaeological evidence and historical reconstructions. In order to avoid a purely theoretical approach, special attention is being paid to “real” archaeological data, which may help to identify cultural values and social behaviours connectable to interaction dynamics in the diaspora world during the 1st millennium BC. Such as discussion certainly involves changing perspective towards complex phenomena like Phoenician colonization, colonialism, urbanism, social “hybridity” and connectivity in the western world, including the role of Carthage in the general Mediterranean framework and the specific features of Carthaginian presence in the other western Phoenician settlements.

Some references:

Bernardini, P., “Giustino, Cartagine e il tofet”, Rivista di Studi Fenici, 24, 1996, 27-45.

González Wagner, C. – Ruiz Cabrero, L. (eds.), El Molk como concepto del Sacrificio Púnico y Hebreo y el final del Dios Moloch, Madrid 2002.

Gruen, E.S. (ed.), Cultural Identity in the Ancient Mediterranean, Los Angeles 2011.

Hall, S., “Cultural Identity and Diaspora”, in J. Rutherford (ed.), Identity: Community, Culture, Difference, London 1990, 222-237.

Malkin, I., A Small Greek World. Networks in the Ancient Mediterranean, New York 2011.

Melchiorri, V., “Le tophet de Sulci (S. Antioco, Sardaigne). État des études et perspectives de la recherche”, Ugarit-Forschungen, 41, 2009 [2010], 509-524.

Melchiorri, V., “Defunti bambini e dinamiche rituali nel mondo fenicio d’Occidente. Il contributo dell’archeologia”, in I. Baglioni (ed.), Sulle Rive dell’Acheronte. Costruzione e Percezione della Sfera del Post Mortem nel Mediterraneo Antico, vol. 1, Roma 2014, 71-88.

Melchiorri, V., “Child Cremation Sanctuaries («Tophet»): Markers of Identity in Early Phoenician Colonisation?”, in G.-J. Burgers – L. Donnellan – V. Nizzo (eds.), Contextualising Early Colonisation: Archaeology, Sources, Chronology and Interpretative Models between Italy and the Mediterranean, Proceedings of the International Congress (Rome, June 21-23, 2012), in press.

Moscati, S., “Il tofet: dove e perché”, RendLinc ser. IX/II, 2, 1991, 105-112.

Moscati, S., Nuovi studi sull’identità fenicia, Roma 1993.

Shennan, S., Archaeological Approaches to Cultural Identity, London 1989.

Van Dommelen, P., On colonial grounds. A comparative study of colonialism and rural settlement in first millennium BC West Central Sardinia, Leiden 1998.

Xella, P. (ed.), The Tophet in the Phoenician Mediterranean (= Studi Epigrafici e Linguistici sul Vicino Oriente antico 29-30, 2012-13), Verona 2013.

Xella, P., “«Origini» e «identità». Riflessioni sul caso dei Fenici”, Mélanges de l’École française de Rome – Antiquité, 126-2, 2014, http://mefra.revues.org/2278.

Henrike Michelau

Grabstelen aus Phönizien – Archäologische, ikonographische und epigraphische Untersuchungen einer sepulkralen Denkmälergruppe des 1. Jahrtausends v. Chr. aus Phönizien innerhalb ihrer kultur- und religionsgeschichtlichen Kontexte

Gegenstand der angestrebten Dissertation bildet eine spezielle Form sepulkraler Denkmäler des 1. Jt.s v. Chr. aus dem phönizischen Raum, die als Stelen bekannt sind. Das Zeitfenster der Untersuchung reicht von 1000 v. Chr. bis in die hellenistische Zeit und der geographische Raum erstreckt sich von Arados bis nach Achzib. Alle Stelen aus dem definierten Raum- und Zeitfenster bestehen aus Stein. Daneben existieren zwar Indizien für Holzstelen, jedoch ist bisher keine erhaltene bezeugt. Die Unterschiede zwischen den zahlreichen Stelen liegen in einem ersten Schritt in der formalen Ausgestaltung der äußeren Form und in einem zweiten Schritt in der Ausgestaltung der Schauseite. Anhand dieser Kriterien lässt sich das Material aus Phönizien in verschiedene Gruppen einteilen:

Stelengruppe I: grob behauene Stelen mit eingeritzten Symbolen und/oder Inschriften. Diese Gruppe beinhaltet ca. 150 Exemplare, die sich durch eine grobe formale Bearbeitung des Steins auszeichnet, der überwiegend aus Kalkstein besteht. Die Schauseite der Stele zeigt entweder ein oder mehrere grob eingeritzte Symbole oder eine kurze phönizische Inschrift oder eine Kombination aus beiden Elementen. Daneben existiert ein kleiner Anteil an anikonischen Stelen.

Stelengruppe II: Stelen mit geglätteter Schauseite und einem Reliefbild. Insgesamt besteht diese Gruppe aus 36 Exemplaren. Die hochrechteckigen Stelen weisen eine qualitativ hochwertige Bearbeitung auf. Die Schauseite zeigt jeweils eine oder zwei aufrecht stehende Personen im Relief, die sich durch den Adorationsgestus der rechten Hand auszeichnen.

Stelengruppe III: Stelen mit geglätteten Flächen, Giebel und eingetieftem Bildfeld. Zu dieser Gruppe zählen 31 Exemplare die formal jeweils über einen Dreiecksgiebel und einem eingetieftem Bildfeld verfügen. Bezeichnend für diese Gruppe sind jedoch die aufgemalten Bildelemente und eine ebenfalls aufgemalte griechische Inschrift.

Ziel dieser Arbeit ist eine vollständige Bestimmung und Erfassung aller sepulkralen Stelengruppen aus dem definierten geographischen und zeitlichen Rahmen als ein Nachschlage- und Übersichtswerk. Zentrale Fragestellungen der Dissertation umfassen die Skizzierung einer Entwicklungslinie der Stelengruppen. Wie hängen die auf den ersten Blick sehr heterogen wirkenden Stelengruppen miteinander zusammen? Anhand einer chronologischen Verbreitungsanalyse wird aufgezeigt, ob die Stelengruppen diachron oder kontinuierlich zu einander verlaufen und wie „Lücken“ zu erklären sind. Der Blick auf die regionale Verbreitung zeigt zunächst eine Konzentration der Stelen an der südlichen Küste, woraus sich die Frage ergibt inwieweit die Stelen als ein Phänomen der südphönizischen Kultur zu definieren sind und wie sich der Norden dazu abgrenzt bzw. ob dieser Fakt ein Resultat einer bestehenden Forschungslücke darstellt.

In diesem Sinn soll auch der Stellenwert der Stelen für die Erforschung der phönizischen Kultur, Kunst, Religion und speziell der Bestattungssitten und -riten herausgestellt werden. Weiterhin soll untersucht werden, inwiefern die Verbreitung der Stelen als Indikator für die Ausdehnung bzw. Einflüsse der phönizischen Kultur zu werten sind. Insbesondere liegt das Augenmerk dabei auf das Verhältnis zur punischen Kultur und der Beziehungen zwischen Mutterstadt und Kolonie.

Bärbel Morstadt

Phönizische Bestattungen im Mittelmeerraum

Die Phönizier erkundeten im Zuge der Phönizischen Expansion im frühen 1. Jt. v. Chr. von ihrem „Mutterland“ im Gebiet des heutigen Libanon, Syrien und Israel aus den Mittelmeerraum und die angrenzenden atlantischen Regionen. Dort traten sie in Kontakt mit den jeweiligen indigenen Kulturen und ließen sich entlang der vielbefahrenen Schifffahrtsrouten nieder (Aubet 2001).

Die Siedlungsgründungen im Expansionsgebiet hätten sich dabei, so veraltete Forschungsmeinungen, entweder in siedlungsleerem Raum (Karthago), durch Separation (Sizilien, Iberische Halbinsel) oder Verdrängung anderer Kulturen (Sardinien) abgespielt. Neuere Forschungsergebnisse lassen jedoch facettenreiche Kontaktsphären und -prozesse erkennen, die zu eigenständigen Ausgestaltungen und Weiterentwicklungen führten (z. B. auf Sardinien: Perra 2007).

Hierdurch wird erneut die alte Frage nach einer Definition der „Phönizier“ und der „phönizischen Kultur“ aufgeworfen. Zuletzt wurden hierfür, maßgeblich durch Sabatino Moscati (1963) und in seiner Nachfolge, Sprache, Schrift und materielle Kultur wie Keramik, Metallschalen und -kannen, Elfenbeinschnitzereien, Fayencen, Tridacna-Muscheln usw. herangezogen und beschrieben. Damit ist aber eine Außensicht auf eine bestimmbare Einheit gegeben, die nicht notwendigerweise mit einem Selbstverständnis „der Phönizier“ übereinstimmt (z. B. Garbati 2013; Pedrazzi 2013).

Identitätsstiftend für Gemeinschaften sind jedoch in hohem Maße Rituale, u. a. im Zusammenhang mit Bestattungen. Ihre emische Perspektive ist dabei die einer dauerhaften Gültigkeit, während sie tatsächlich je nach Bedarf der jeweiligen Gemeinschaft Veränderungen erfahren (Assmann 1999). Solche Veränderungen ergeben sich u. a. im Zusammenhang mit Migration, bei der Gemeinschaften ihre Identität neu bestimmen und aushandeln müssen (Han 2010).

Vor dem Hintergrund des Spannungsfeldes von Ritualforschung und Migrationsforschung – zwei Forschungsrichtungen, die meist nicht in Beziehung zueinander gesetzt werden – werden die phönizischen Bestattungen behandelt. So sollen zum einen anhand einer Darlegung der archäologischen Zeugnisse ausgewählter Expansionsregionen die Bestattungsrituale und Sitten erschlossen und zum anderen eine Annäherung an das Selbstverständnis der Gemeinschaften im „Mutterland“ und in ihrer neuen „Heimat“ in den Expansionsgebieten vorgenommen werden.

Literatur

Aleida Assmann, Erinnerungsräume. Formen und Wandel des kulturellen Gedächtnisses (München 1999)

María Eugenia Aubet, The Phoenicians and the West. Politics, Colonies, and Trade (2. Aufl. Cambridge 2001)

Giuseppe Garbati, Fingere l’identità fenicia: Melqart ‘di / sopra ṢR’, RStFen 40.2, 2012, 159–174

Petrus Han, Soziologie der Migration. Erklärungsmodelle, Fakten, politische Konsequenzen, Perspektiven (3. überarbeitete und aktualisierte Aufl. Stuttgart 2010)

Tatiana Pedrazzi, Fingere l‘identità fenicia: confine e cultura materiale in Oriente, RStFen 40.2, 2012, 137–157

Carla Perra, Fenici e Sardi nella fortezza del Nuraghe Sirai di Carboni, Sardinia, Corsica et Baleares Antiquae 5, 2007, 103–119

Sabatino Moscati, La questione fenicia, RendLinc VIII 18, 1963, 483–506

Adriano Orsingher

The Phoenicians abroad: the Cypriot stopover

Sailing West, Cyprus was the first land to appear on the horizon from the Phoenician motherland. Since relations between these facing regions became more intense from the Late Bronze Age up to the establishment of Phoenician settlement(s) around the mid-9th century BC, it is at present difficult to analyze their Iron Age attributes and distinguish between shared, acquired and proper features.

The goal of my research will be to select and (re-)analyse the reliable Iron Age key contexts of Cyprus containing Phoenician or of Phoenician tradition evidence, in order to outline the stages, patterns, markers, purposes and effects of the Phoenician presence in the island.

The main focus will be the ceramic repertoire of Cyprus between the Cypro-Geometric I (c. 1050-950 BC) and Cypro-Archaic II (c. 600-480 BC), from which analysis will derive both a relative sequence (to be inserted within the more complex framework of the Iron Age absolute chronological debate) and the definition of regional and/or local horizons. Beyond the pottery evidence, however, I will take into account during my analysis some of the other craft productions and architectural models/techniques, as well as the ritual and burial activities recognizable as properly Phoenician; finally comparing (all) this entire data set with the distribution area of the Phoenician inscriptions.

Afterwards, I will enucleate – through a general survey – Cypriot elements (such as imports, technological expertise and methods, and iconographies) in the Phoenician West, providing an explanation for their distribution patterns and identifying the settlement(s) involved in their circulation and/or transmission.

Aaron Schmitt

The Iron Age pottery of Tell el-Burak

I am currently working on the Iron Age pottery from Tell el-Burak. The site is situated on the Lebanese coast ca. 9 km south of Sidon. Starting in 2001, ten excavation campaigns have been conducted at the site. Since 2013 the archaeological investigation concentrates exclusively on the Iron Age (Phoenician) occupation which can be dated from the late 8th to the 4th century. This dating is based on the analysis of the ceramic material retrieved from the Iron Age contexts associated with the Phoenician houses in area 3 and the surrounding wall of the settlement in areas 2, 3 and 4.

The excavations in 2013 and 2014 led to the discovery of a very interesting pottery collection: In one of the Iron Age houses (house 3) which collapsed at a certain point a huge collection of pottery vessels was found in situ on the floors − all broken into smaller and bigger pieces. Most of the vessels are the typical Phoenician amphorae of the second half of the 7th century. All in all around 60−70 amphorae must have been stored in this house. Some smaller vessels and a Chian wine amphora also form part of the assemblage.

The study of this pottery in particular is very important because there are no comparable finds from the Phoenician heartland so far. The study of this pottery is still work in progress. We started restoring the vessels in February 2015. Around 30 samples (mainly the amphora bases) were submitted to content analysis. These analyses will be done at the Johannes Gutenberg-University of Mainz and at Durham University. The sample at the latter place will also be submitted to petrographic analyses.

Once all the different results are available we will be able to gain a deeper insight into Phoenician economic procedures during the 7th century.

As the Iron pottery of Tell el-Burak has never been studied systematically, I started to set up a form and fabric type-series in 2013. The work undertaken until then allowed us to follow the development of the local pottery from the late 8th until the 4th century, also by comparing the local assemblages with other Phoenician sites (e. g. Sarepta, Tyre, Beirut etc.). The ceramic material from 2014 is currently included into our study and will further our knowledge of the local ceramic repertoire.

Of particular interest are the imports at Tell el-Burak. The earliest imports arrived from Cyprus in the late 8th and 7th century. There is also East Greek pottery present, though in smaller amount. Around the mid of the 5th century Attic ware is the most common imported pottery at Tell el-Burak − a situation which is comparable to many other sites in the Levant.

Frerich Schön

Kolonisierung? … Ressourcen zwischen Konflikt und Integration im phönizischen Westen des 1. Jahrtausends v. Chr.

Durch das Teilprojekt „Kolonisierung? … Ressourcen zwischen Konflikt und Integration im phönizischen Westen des 1. Jahrtausends v. Chr.“ des SFB 1070 „RessourcenKulturen“ und das Grabungsprojekt auf der zentralmediterranen Insel Pantelleria sind Forschungen zu den Puniern in der Tübinger Klassischen Archäologie verankert.

Der SFB 1070 untersucht Ressourcen als Mittel der Bildung, Aufrechterhaltung und Veränderung von sozialen Beziehungen, Einheiten und Identitäten im Rahmen kulturell geprägter Vorstellungen und Praktiken. Gegenstand des Teilprojektes ist die Untersuchung der Bedeutung von Ressourcen im Rahmen der phönizischen ‚Kolonisation‘ hinsichtlich der sozio-kulturellen Dynamiken in ihren Zielregionen im zentralen und westlichen Mittelmeerraum. Zeitlich wird in der ersten Projektphase das 10./9. Jh. – 6./5. Jh. v. Chr. fokussiert. Neben einer Systematisierung und Untersuchung der siedlungs- und landschaftsarchäologischen Quellenbestände der westphönizischen Siedlungen hinsichtlich relevanter Ressourcendiskurse, bilden die Analyse von kulturellen ‚Markern‘ für sozio-kulturelle Dynamiken in ‚kolonialen‘ und ‚indigenen‘ Siedlungen sowie eine 14C-Datierungsreihe zur Chronologie der phönizischen Westexpansion das Arbeitsprogramm des Teilprojektes.

Einen Schwerpunkt der Forschungen bildet die Konzeptualisierung ‚kolonialer‘ Begegnungen. Wesensmerkmal des phönizischen Ausgreifens in den westlichen Mittelmeerraum ist eine Migration von Personengruppen und die Etablierung permanenter Siedlungen in zunächst fremden Milieus. Somit kann dieses Phänomen als koloniales Unterfangen betrachtet werden, das sich in mannigfaltigen Interaktionen mit den neuen Umfeldern, mit lokalen Bevölkerungsgruppen oder konkurrierenden kolonialen Gruppen äußert und seinen materiellen Niederschlag im archäologischen Befund hinterlassen hat. Für die Untersuchung der Auswirkungen ressourcenorientierter Handlungen in diesen Gesellschaften und deren Umwelten sowie der Wechselwirkungen zwischen den beteiligten Akteuren in den unterschiedlichen Regionen wird eine vergleichende Regionalperspektive gewählt. Ziel ist es, traditionelle makrohistorische Interpretationsansätze – wie ‚Kolonisierung‘ oder ‚Orientalisierung‘ – zu hinterfragen und konzeptuell neu zu bewerten.

Mit dem Grabungsprojekt auf der Insel Pantelleria, gelegen in der Straße von Sizilien, wird die Entwicklung einer punischen Siedlung seit der Archaik und die Transformation des Stadtzentrums bis in die römische Kaiserzeit untersucht. Seit der 2. Hälfte des 8. Jhs. v. Chr. entwickelte sich im sog. Akropolisareal, einem Doppelhügel im Hinterland des antiken Haupthafens der Insel, ein komplexes urbanistisches Ensemble, das einen Heiligtumsbezirk mit mehreren Sakralbauten, Fortifikationsanlagen, Wohn- und weitere Funktionsbauten umfasst. Nach Ausweis u.a. des keramischen Fundmaterials, bei dem Material nordafrikanischer Provenienz überwiegt, könnte es sich bei der Siedlung auf Pantelleria um die früheste Kolonie Karthagos handeln. In den vergangenen Jahren lag der Fokus auf der Erforschung des Sakralbereichs. Derzeit konzentrieren sich die Grabungen auf Untersuchungen der Befestigungsanlagen, deren früheste, heute noch gut erhaltenen Bauphasen wohl in das späte 4.-1. Hälfte des 3. Jhs. v. Chr. datieren, also in die Zeit der militärischen Konflikte zwischen Karthago und dem agathokleischen Syrakus bzw. der Kampagne des Pyrrhos von Epirus gegen die Städte der karthagischen Epikratie auf Sizilien.

Hanni Töpfer

Typologische und naturwissenschaftliche Untersuchungen phönizischer-punischer Keramik des zentralen und westlichen Mittelmeerraums

Typologische und naturwissenschaftliche Keramikanalysen bilden eine Grundvoraussetzung zum Verständnis der sogenannten phönizischen Westexpansion. Anhand der Fundspektren verschiedener Siedlungsplätze wurden die chronologischen Abläufe dieser Migrationsprozesse ebenso wie die damit verbundenen Aspekte weitreichender Handelsbeziehungen erarbeitet. Keramik ist damit eine der Primärressourcen zur Erschließung der kulturhistorischen Zusammenhänge des zentralen und westlichen Mittelmeerraums im beginnenden 1. Jahrtausend v. Chr.

Die Feststellung der Menge und Qualität von Importen in Relation zu einheimisch produzierter – lokaler – Ware, vor allem aber die im Zuge der Νew Archaeology verstärkt genutzte, naturwissenschaftliche Herkunftsbestimmung verschiedener Keramikwaren dienen dabei jedoch nicht allein dazu, einfache Handelswege aufzuzeigen, sondern können darüber hinaus auch als Indikatoren weiterer, kulturhistorischer Prozesse fungieren: Anhand der Keramik lassen sich etwa Konsumpraktiken (Ess- und Trinkkultur) rekonstruieren, Traditionen verschiedenster Lebensbereiche (z.B.religiöse und funerale Praktiken) und deren Wandel ablesen und somit das Bild einer materiellen Identität zeichnen. Eine derartige Herangehensweise in Kombination mit der Beachtung landschaftsarchäologischer Aspekte findet allerdings erst in jüngerer Zeit ihren Niederschlag in der Forschung, obwohl gerade die wechselseitigen, komplexen Beziehungen zwischen „phönizischen“ Kolonisten und/oder lokal ansässigen Bevölkerungen sowie der Einfluss griechischer Nachbarn wichtige Faktoren darstellen. Vor allem auf einer makrohistorischen Ebene und mit Rücksicht auf neuere, postkoloniale Forschungstheoreme ist die Verknüpfung der diversen Betrachtungshorizonte noch nicht überzeugend gelungen und stellt ein Ziel der Untersuchungen dar.

Im Fokus dieses Projektes steht daher eine Synthese der skizzierten Untersuchungsmöglichkeiten von Keramik des phönizisch-punischen Kulturraums im Zeitraum des 9. bis 6. Jhs. v. Chr. Durch die kombinierte Anwendung von traditionellen Keramikanalysen und archäometrischen Untersuchungsmethoden an Fundinventaren ausgesuchter phönizischer Kolonien sowie indigener Siedlungen des umgebenden Raums sollen Gemeinsamkeiten und Unterschiede der materiellen Kultur aufgezeigt, darauf aufbauend aber (und unter Berücksichtigung verschiedener theoretischer Modelle) die Bildung, Neuschaffung, Umformung oder das Verschwinden kultureller Identitäten neu bewertet werden. Die Einbettung zahlreicher alter und neuer, auf verschiedenen Ebenen angesiedelter Einzelergebnisse in einen breiteren kulturhistorischen Kontext, sowie die Überprüfung ihre jeweiligen Aussagefähigkeiten stellen also ein erklärtes Ziel dar.

Die Untersuchungen sollen in enger Vernetzung mit den Forschungsarbeiten des Teilprojektes B05 „Kolonisierung? Imperialismus? Provinzialisierung? Ressourcen zwischen Konflikt und Integration im phönizisch-punischen Westen des 1. Jahrtausends v. Chr.“ im Rahmen des Tübinger SFB1070 „RessourcenKulturen“ erfolgen. Der um eine kulturwissenschaftliche Komponente erweiterte Ressourcenbegriff des Forschungsverbundes, der Ressourcen als Mittel zur Bildung, Aufrechterhaltung und Veränderung von sozialen Einheiten im Rahmen kulturell geprägter Interaktionen definiert, soll dabei helfen, die Besiedlung einzelner Untersuchungsregionen in Abhängigkeit von Ressourcen (und sich daraus ergebender Ressourcenkomplexe) zu bewerten. Hierbei kommt auch regionalspezifisch variierenden Handels- und Tauschmechanismen eine wichtige Rolle zu, die sich in Keramikvorkommen und –verbreitung abbilden. Die sich daraus ergebenden Erkenntnisse lassen dann unter Umständen Rückschlüsse auf Gründe für die Besiedlung einzelner Gebiete zu und bereichern damit Phänomene wie „Kolonisierung“, „Migration“ oder „Hybridisierung“, die es im Zuge der Untersuchungen kritisch zu hinterfragen gilt, um einen weiteren Aspekt: denn gerade die vielgestaltigen sozialen Wechselbeziehungen werden in erster Linie immer noch anhand des keramischen Fundmaterials und dessen angeblicher „kultureller Identität“ festgemacht.

Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Forschungseinrichtungen

  • Deutsches Archäologisches Institut, Abteilung Madrid
  • Deutsches Archäologisches Institut, Abteilung Rom
  • Deutsches Evangelisches Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes, Forschungsstelle Jerusalem
  • Oxford Centre for Phoenician and Punic Studies
  • SFB RessourcenKulturen der Universität Tübingen
  • Zentrum für Mittelmeerstudien der Ruhr-Universität Bochum

Kontakt

Sprecherin:
Dr. Marion Bolder-Boos
Fachgebiet Klassische Archäologie
TU Darmstadt
El-Lissitzky-Str. 1
D-64287 Darmstadt
Tel.: 06151-1622477
mboos[at]klarch.tu-darmstadt.de

Koordinatorin
Dr. Natascha Bagherpour Kashani
Fachgebiet Klassische Archäologie
TU Darmstadt
El-Lissitzky-Str. 1
D-64287 Darmstadt
Tel.: 06151-1622477
bagherpour[at]kuklar.tu-darmstadt.de