Albanien_Arnissa

Erkundung einer Küstensiedlung bei Babunja nahe Apollonia (Albanien). Das antike Arnissa?



gemeinsam mit Dr. M. Fiedler, G. Döhner, M.A.,
finanziert durch die Thyssen-Stiftung

Die etwa 6 ha große, auf einem Sporn isoliert gelegene Siedlung, die sich durch die Nähe zum Meer und die umliegende, weite Ebene auszeichnet, konnte vollständig topographisch und geophysikalisch vermessen werden. Bezeugt ist ein rechtwinkliges Raster mit den Siedlungshang jeweils hochziehenden Straßen sowie etwa 13 m breiten, langen insulae. Babunja zählt damit zu den sog. Streifenstädten. Die insula-Aufteilung und die Bautechnik der Häuser zeigt Verwandtschaft mit dem nahen Apollonia, der dortigen Oberstadt aus archaischer und klassischer Zeit. Den Funden zufolge handelte es sich um eine florierende, in die Kultur der Mittelmeerwelt fest integrierte Siedlung. Attische wie auch unteritalische Importe unter der Keramik sind identifizierbar; lokal produziert wurden Gefäßkeramik, aufwändige Dachziegel und Antefixe oder auch dekorierte Metallgegenstände. Die Datierung der Funde bezeugt, dass der Ort vermutlich in spätarchaischer Zeit, wohl gegen Ende des 6. Jh.v.Chr. gegründet wurde. Die Siedlungslage, nahe am Meer, an der Mündung eines möglicherweise schiffbaren Flusses, spricht ebenso wie die Datierung gegen die Annahme einer Gründung durch illyrische Stämme, wie es zuvor postuliert worden war. Vielmehr muß es sich um eine Apoikie gehandelt haben, die zumindest im Einvernehmen mit Apollonia, mit dem es sich die Fruchtebene teilt und in Sichtweite ist, gegründet wurde, wenn es sich nicht überhaupt um einen „Satelliten“ von Apollonia handelt. Als von Apollonia abhängige Siedlung wird derzeit auch Orikon am Ende des Golfes von Vlora angesehen (frdl. Hinweis C. Zindel und J. P. Descœudres). Es stellt sich heraus, dass die griechische Kolonisierung des ionisch-adriatischen Küstenstriches wesentlich vielschichtiger gestaltet war, als bisher bekannt war. Aus bislang unbekannten Gründen wurde Babunja im Laufe des 3. Jh.v.Chr. wieder aufgegeben, doch zeigen Fundstellen der Umgebung mit hellenistischen und römischen Funden, dass dies lediglich die hier untersuchte Siedlung betraf.